26. Mai 2012

Keine Kommentare

Beim Häuten des Grasses

O Leser, vielduldender, es war doch nicht die letzte Tinte, der grassgriffelige Schreiber hat — ganz hinten in der Schublade, neben den sandigen Maoams — noch eine Patrone gefunden und ochst nun seinen klapprichten Pegasus über Ruinen von bröckligen Hexametern zu Tode.

Ich weiß nicht, ob die taz noch ihren “Rolf-Hochhuth-Preis für gequirlten Quark” noch vergibt, aber dieses Gedicht wäre ein ganz heißer Kandidat. Beim Häuten des Grasses zeichnet sich allmählich etwas ab. Aber was? Ein unwürdiger Greis?

Gedicht von Günter Grass zur Griechenland-Krise – Europas Schande – Kultur – sueddeutsche.de.

16. Mai 2012

Keine Kommentare

Link in den Schützengraben

Die Hintergründe traten in der ganzen Urheberrechtsdebatte ja etwas in den … ähm .. Hintergrund. Cora Stephan mit ein paar Fakten, die die Fronten differenzieren.

Cora Stephan: Willkommen im Schützengraben.

Und für den Fall, dass es einigen entgangen ist: Dazu brauche ich nicht gleich ihren ganzen Artikel eins zu eins auf meine Webseite zu ziehen und so tun, als gehörte er jetzt mir. Dafür gibt es Links und Credits, Spielregeln eben. Mehr wollen Autoren nicht.

15. Mai 2012

Keine Kommentare

Abschaum im Netz, Piraten im Rettungsboot

Den Schutz der Anonymität, den die Hacker schon quasi per Namensgebung für sich beanspruchen, gilt ausgerechnet nicht für die, die nicht ihrer Meinung sind.

via Urheberrecht: Anonymus will Schriftsteller einschüchtern – Aktuelle Nachrichten – Printarchiv – Kultur – Berliner Morgenpost – Berlin.

Okay, wäre dies die übliche PC-Debatte oder ginge es auch nur entfernt um ein “rechtes” Phänomen, stünden diejenigen, die dieser Anonymous-Aktion den “geistigen Nährboden” bereitet haben, längst als Komplizen am Pranger. Die Rede ist natürlich von den Piraten. Denn was Anonymous in krimineller Manier umsetzt, ist letztlich klassische piratische Internet-Kompetenz, nur mit Akzent, da hilft kein beschönigendes Gerede.

Aber da es eben nicht die übliche PC-Debatte ist und es sich auch nicht um ein “rechtes” Phänomen handelt, klettern die Piraten schnell in ihr Rettungsboot und rudern, was das Zeug hält — zurück! Die kriminelle Handlung, welche die Piraten quasi schon im Namen tragen, war angeblich so nie gemeint.

Na gut. Aber zur Strafe schreibt jeder von euch Spacken einhundert Mal: FUCK YOU, ANONYMOUS, PIRACY SUCKS!

14. Mai 2012

Keine Kommentare

Kleine Schwester von … pain in the ass

Wer einen Preis bekommt, hat zwei Möglichkeiten. Er kann ihn annehmen, oder er kann ihn ablehnen. Wer ihn abnnimmt, sollte sich bedanken, verbeugen und gehen. Wer ihn ablehnt, sollte es so leise und diskret tun wie möglich. Ganz besonders sollte er die Angelegenheit nicht für seine Selbstdarstellung nutzen und dadurch allen anderen den Abend verderben.

Die SZ-Journalisten um Hans Leyendecker, die soeben mit großem Gedöns den Henri-Nannen-Preis nicht haben wollten, wollten ihn nicht haben, weil mit ihnen auch Bild-Reporter ausgezeichnet würden. Das, so fanden sie, sei streitbaren Publizisten und aufrechten Gutmenschen wie ihnen nicht zuzumuten.

Okay, ich mag die Bild auch nicht, sie ist einfach nur eine dumme Zeitung, die ihre Macht dadurch erhält, dass alle sie für wichtig halten. Aber es soll schon Fußballtrainer gegeben haben, die ohne die Bild regieren konnten. Reicht das nicht?

Leuten wie Hans Leyendecker nicht. Sie müssen mindestens noch aus der Bergpredigt zitieren (“Eure Rede sei Ja, ja. Nein, nein”), um sich als das Gewissen des Journalismus zu inszenieren, als die Großen Unbequemen, die allein durch ihre wahnsinnige Zivilcourage zu verhindern wissen, dass Bild-Reporter, unbeschadet vom Ansehen ihres Mutterblatts, je wieder einen Preis bekommen — auch wenn sie dies eigentlich überhaupt nichts angeht, denn sie sind ja nicht die Jury. Müssen sich diese aufrechten Partypupser eigentlich überall einmischen oder können sie ein paar Dinge nicht einfach mal anderen überlassen, am besten denen, die etwas davon verstehen? Oder haben sie bloß keinen Sinn für Ironie?

Reporter von SZ und Bild auf einer Bühne, das wäre nicht nur lustig, es hätte echte Tiefe. Es wäre: Reporter ohne Grenzen. Außerdem könnten sie etwas lernen daraus. Und wenn auch bloß ein bisschen Bescheidenheit und Realismus.

Das mit den Großen Unbequemen und streibaren Publizisten ist nämlich so eine Sache. Häufig sind sie nur die kleine Schwester von … pain in the ass!

11. Mai 2012

Keine Kommentare

100 Zeilen Hass auf gentrifizierte Kunst

Ich erinnere mich an eine Diskussion auf BR2, in der eine Musikerin, die neuerdings nicht mehr von ihrer Musik leben konnte, dennoch von den irren Möglichkeiten von YouTube und den Tauschbörsen schwärmte.

Warum macht ein Mensch so etwas? Preist etwas, das ihn ruiniert?

Na gut, die Musikerin tat es nicht ganz freiwillig, denn solche Sprüche gehörten noch vor ein paar Monaten zum guten Ton. Sogar der Moderator der Sendung war hörbar Filesharing-Enthusiast und steuerte das Gespräch entsprechend. Wer eine andere Meinung vertrat, gehörte zu den Ewiggestrigen, die immer noch nicht begriffen hatten, was Internet war.

So sah sie aus, die politische Korrektheit im Internet vor Sven Regener. Doch dann schlugen die Künstler zurück.

Und die Leser, die schlugen ihrerseits zurück — wie hier: Leserkommentare – Autoren und Künstler zum Urheberrecht: „Wir sind die Urheber“ – taz.de.

Künstler sind per se ja nicht abzulehnen. Sie sind zwar nicht ganz so wertvoll wie jene “einfache Krankenschwester” im Nachtdienst, die in Mindestlohndiskussionenn immer beschworen wird, dennoch, was wäre die Welt ohne Künstler? Doch spätestens dann, wenn aus Künstlern Urheber werden, kommt es zur bösen Verwandlung, zeigen sie ihre hässliche Fratze und lenken wütende Farbbeutel auf sich wie einst Joschka Fischer oder “luxussanierte” Immobilien.

Continue reading…

9. Mai 2012

Keine Kommentare

Zupackender Mamporrero

Übersetzer bei ihrer gefährlichen Arbeit. 1-a Gelegenheit, richtig auf die Fresse zu fallen. Dann doch lieber lieber Mamporrero. (Foto: seraph / photocase.com)

Also, ich mag ja dramatische Umschreibungen des Übersetzerberufs — vermutlich, weil selbiger so wenig Dramatisches hat. Mich stört auch nicht, dass solche Definitionen meist die Grenze zur Dämlichkeit streifen. Auf mich beziehen will ich sie aber auch nicht.

Da wird das Übersetzen beispielsweise mit dem Kapern eines fremden Schiffes gleichgesetzt (“unter fremder Flagge!”) , da folgt man “Spuren im Schnee” oder wühlt todesmutig im “Sprachmagma” oder muss, Tolstoi zufolge, “in Ketten tanzen” und was nicht alles. Ach ja, und ein “Drahtseilakt” und ein “ewiges Ringen” ist die Übersetzerei sowieso. Picassos berühmtes Wort “Ich suche nicht, ich finde” hält man unter Übersetzern für keine Einstellung.

Aber heute zitiert der Perlentaucher den kolumbianischen Romancier Hector Abad mit einer Jobbeschreibung, die sich zum ersten Mal so anhört, als wäre es etwas für mich.

Nehmen wir zum Beispiel dieses alte Wort aus Kastilien, das ein Handwerk bezeichnet und dessen Bedeutung viele von Ihnen wahrscheinlich nicht kennen: ‘Mamporrero‘. [...] Übersetzen ist genau dies.

Was genau, steht etwas weiter unten in der Magazinrundschau vom 08.05.2012.

Wesentliche Voraussetzungen, die für die Tätigkeit als Mamporrero mitzubringen sind: Man muss zupacken können, und warme Finger wären auch nicht schlecht. Sonst macht man das “Original” im Handumdrehen kleiner, als es sein müsste. Aber sonst geht alles wie geschmiert, kein lästiges Ringen und so, kein wackliges Drahtseil, kein doofes Sprachmagma.

Na, das klingt schon mal nicht schlecht. Ich bin dabei!

8. Mai 2012

Keine Kommentare

Abwesenheitsnotiz


Buchmesse in New York, Leben im Überholstau. Für Lektorinnen besonders bitter: Es gibt nicht nur die gläserne Decke in den Verlagen, sondern jetzt auch gläserne Trennwände in Taxis. (Alle Fotos: Geolog)


Wer wegen Jetlag nicht durchschlafen kann, gehört morgens meist  zu den Ersten an der Kaffeebud. Danach geht’s in den Zentralpark zum Birdwatching und Luftschnapping. Ehe der Wahnsinn beginnt: zehn Stunden plus Abendtermin und nichts als amerikanische Stimmen im Hardselling-Fieber. Schon nach kurzer Zeit hören sich alle Bücher gleich an. Was sie vermutlich auch sind.

1. Mai 2012

Keine Kommentare

“pra” – Populismus und der wahre McCoy

Ein Journalist hat es bei mir immer dann geschafft, wenn ich nur einen einzigen Satz lesen muss, um zu wissen: “Hoppla, das ist doch von dem Prantl?” Nur um mal ein Beispiel zu nennen.

Man darf natürlich nicht mogeln, sonst macht es keinen Spaß.

Ich schlage die Meinungsseite der SZ auf und muss auf Anhieb erkennen: Dieser Stuss, das kann nur der Prantl sein.

Und das, lange bevor mein Auge an dem berühmten Kürzel “pra” klebenbleibt. Ich finde das angenehm, denn gerade beim Frühstück mag ich die Welt überschaubar. Hier die Guten, da die Blöden. Alles “pra”.

Aber jetzt hat es ein weiterer auf die Geschafft-Shortlist geschafft. So brauche ich beispielsweise nur so etwas zu lesen wie “Die Piraten sind Deutschlands Antwort auf den Vormarsch des Populismus in Europa. Aber diesmal haben wir Glück gehabt: Die deutschen Populisten machen keine Angst, sondern Hoffnung.” (via Höhenflug der Piraten: Die guten Populisten – SPIEGEL ONLINE.)

… und mich durchzuckt der eine fürchterliche Gedanke: Wenn das nicht von dem kleinen Augstein ist! Verdammt, das ist doch von dem … na …

… kleinen Augstein! Klar, der erkennt einen Spacken, wenn er ihn sieht. Und er erkennt ihn so sehr als Seinesgleichen, dass er sich gleich hinsetzt und die absehbaren Dummheiten schreibt. Ich finde, das geht aber in Ordnung, denn gerade beim Frühstück schätze ich … Ordnung. Und keine Überraschungen.

Wie gesagt, beim Geschafft-Test muss man absolut ehrlich sein, sonst ist er sinnlos.

Wahrer McCoy-Volunteer (Screenshot: quillandquire.com)

Was noch? Ach ja, der Autor, den ich seit Monaten übersetze, der Kanadier Patrick DeWitt, hat einen Humor-Preis gewonnen — hier.

Was im engeren Sinn erst dann komisch wird, wenn man diese Information mit dem Autorenbild abgleicht. Dieser Nerd und Humorpreis??

Yes, sir, dieser Nerd und Humorpreis! Und sogar verdient. Und ich muss es doch wissen. Ich achte nicht auf Äußerlichkeiten, ich erkenne Autoren am Geruch. Und ich habe meine Geschafft-Liste. Da sind alle drauf, die mit dem unfreiwilligen Humor (pra & Co.) und die mit dem wahren McCoy-Volunteer-Humor.

17. April 2012

Keine Kommentare

“Geht es um Männer, adeln wir den Hirnriss zur Erkenntnis”

Ich bin vielleicht ein bisschen langsam, aber sogar mir geht mittlerweile das permanente Männer-Bashing erheblich auf den Senkel.

Nicht, dass ich mich jedesmal persönlich angesprochen fühlte (Auslaufmodell!), aber ich kann Dummheit nicht leiden.

Wenn eine Arte-Doku die Leistungen der ersten deutschen Pilotinnen feiert, dann kommt eines höchstens am Rande zu Sprache: ihre Verstrickung in die Kriegsmaschine der Nazis. Verstrickung ohne Not, aus rein sportlichem Ehrgeiz. Dass sie sich, mit der Hand am Steuerknüppel, anschickten, eine so genannte “Männerbastion” zu stürmen, steht als moralischer Wert so hoch, dass alles andere unter den Tisch fällt. Kein Mann käme mit so etwas durch.

Wenn das SZ-Magazin, wie neulich wieder, ein “Frauenheft”, respektive “Männerheft”, produziert, dann nach folgendem Rezept: Das Frauenheft bringt weibliche Erfolgsgeschichten aus jedem Lebensalter, von 10 (!) bis 80 Jahren. Das Männerheft berichtet überwiegend von Problemen oder gibt Männer gleich der Lächerlichkeit preis.

Was auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der das alles abläuft. Wir haben uns daran gewöhnt wie an eine Dauerinfusion und akzeptieren diesen Quatsch als unwiderlegbare Normalität. Dabei ist es nichts weiter als politisch korrekte Ideologie. Und, yep, ich bin hier mal so humorlos wie der Texas Ranger aus True Grit.

Angeber in voller Fahrt (Foto: wagg66 / photocase.com)

Selbst ein kleiner, harmloser Beitrag wie “50 Jahre Kettcar” in der BR-Kultursendung Capriccio schlenzt mittendrin und völlig unbegründet Weisheiten wie diese in den Text: “Jungen geben an, Mädchen fliegen.” Woher wissen sie das? Sicher ist, sie wollen, dass wir an diesen charakterlichen Defekt glauben. Eigentlich nicht nötig. Als hätten wir es nicht schon tausendmal gehört.

Doch jetzt hält der Essay von Christoph Kucklick dagegen: Geschlechterverhältnis: Das verteufelte Geschlecht | Gesellschaft | ZEIT ONLINE.

Fünf Sterne von mir. Das Einzige, was man mitbringen muss, ist etwas Zeit. Der Mann ist gründlich.

Übrigens: Zu meiner Zeit hatten Mädchen noch kein Kettcar, sondern höchst einen Puppenwagen. Aber wie Wissenschaftlerinnen herausgefunden haben (unterdrückte weibliche Geschichte!), konnten auch die schon fliegen. Im Gegensatz zu den Kettcars, die bekanntlich bis heute nicht fliegen können.

Was noch? Ach ja, es ist nicht alles schlecht zwischen den Geschlechtern. Wer gestern Abend diese Quasselsendung auf Sat1 gesehen hat, muss eines zugeben: Frau Ferres passt doch zu Herrn Maschmeyer.

13. April 2012

Keine Kommentare

Wer kommt mit zum Koranverbrennen?

Salafisten wollen Koranverteilung fortsetzen: Islamisten bedrohen Jounalisten in Videobotschaft | RP ONLINE.


Was hier brennt, ist kein natürlich kein Qur’an, sondern der kleine Hund von Charlie Hebdo. Wer nicht mehr weiß, wer das ist, guckt  hier. (Abb. © Charlie Hebdo)

Na, wer hat Lust? Natürlich wieder mal keiner. Viel zu gefährlich. Wenn schon ein bloßer Bericht über neue Wege im Religionsbuch-Marketing (Moslem-Edition) gefährlich sein kann. Und das nicht etwa in einem nahöstlichen Höllenloch, sondern mitten in Europa! Zum Glück bin ich kein Journalist. Sollen die erst mal.

Dabei wäre die Gelegenheit günstig. Die Dinger werden zurzeit überall kostenlos verteilt. Aber ob die Bartträger der Aktion Lies! die theologischen Implikationen wirklich zu Ende gedacht haben? Große Denker scheinen sie nicht zu sein. Und bevor jetzt jemand fragt: Nein, das hat keine genetischen Ursachen, ich schwör, wallah. Und Sarrazin kenne ich auch nicht.

Denn den heiligen Qur’an ausgerechnet an die Kuffar (Ungläubigen) zu verschenken, birgt naturgemäß große Risiken. Das ist so ähnlich wie mit den Perlen, die vor die Säue geworfen werden. In der Lutherbibel werden sie zertreten, aber das ist natürlich nicht das Einzige, was echte Säue mit Perlen anstellen können.

Continue reading…