Wir aßen Alligatoren …


Das sah auf dem Bild aber anders aus.
(Foto: misterQM / photocase.com)

– Scheiße, wenn Katar uns will und die Penunze rüberreicht, dann soll Katar uns haben.
– Katar will uns, Sir. Aber die Währung heißt Riyal. Riyal und Dirham. Ein Riyal ist hundert …
– Riyal, von mir aus. Hauptsache, sie zahlen nicht in Euro. Aber wir brauchen schon mindestens mindestens zwölf Stadien. Wo war dieses Katar noch mal?

– Hier unten, Sir. Rechts von …
– Da?
– Das ist Tibet, Sir. Die Stadien sind jedoch das geringste Problem, eher der Schamal.
– Schamal? Nie gehört.
– Ein Wüstenwind, Sir. Und wenn zufällig mal kein Schamal weht, ist es schwül und unerträglich heiß. Dieses Katar gehört zu den heißesten und trockensten Ländern der Erde. Vierzig Grad Minimum. Dazu fünfundachtzig Prozent Luftfeuchtigkeit. Kein Spaziergang, das.
– Hm, das sah auf dem Bild aber anders aus.
– Die Praktikantin hat nichts anderes gefunden, Sir.
– Scheißegal, wir ziehen das durch.
– Das wird den Spielern nicht gefallen, Sir.
– Die Spieler sollen bloß die Schnauze halten. Die sind zum Spielen da, nicht zum Meckern. Jetzt, wo Sie es sagen: Die sollen uns einen Dome hinstellen, einen klimatisierten Dome, 12 klimatisierte Domes! Hab keine Lust, dass mir bei Eröffnung das Wasser in die Arschfalte läuft.
– Katar hat das bereits einkalkuliert, Sir!
– Wenigstens einer, der mitdenkt.
– Es gibt nur ein Problem, Sir.
– Was denn noch?
– Katar ist etwa so groß wie Hamburg. Wenn Sie da zwölf klimatisierte Domes hinstellen, passt nicht mal mehr ein Dixi-Klo rein. Von Fanmeilen ganz zu schweigen.
– Fanmeilen sind sowieso die Seuche.
– Katar hat allgemein keine lebendige Fußballkultur.
– Umso besser. Dann bringen wir ihnen diese Kultur. Dann erwecken wir sie zum Leben. Wir beatmen diese Kameltreiber mit unserer lebendigen Fußballkultur. Wenn sie den ganzen Scheiß später nicht mehr haben wollen, können sie ihn meinetwegen ja an die dritte Welt verschenken.
– Und es gibt kein Bier …
– Wieso gibt es kein Bier? Haben wir nicht einen Vertrag mit Budweiser?
– Der Islam, Sir. Der Islam verbietet Alkohol. Das kommt in der westlichen Öffentlichkeit womöglich nicht gut an.
– Unsinn. Wenn ich das richtig sehe, ist Alkohol bis dahin auch in den USA verboten. Wir bieten eine optimierte PR-Umgebung für stolze Sponsoren, nicht mehr, aber auch nicht weniger …
– Mit fünfzig Grad im Schatten?
– Genau. Denken Sie an die Busse von Kia, damals in Europe, die waren auch nicht Kia.
– Hyundai. Es waren die Busse von Hyundai, die nicht von …
– Hyundai, echt?
– Hyundai.
– Egal. Aber Hyundai war stolzer Sponsor. Hat es jemanden gestört, dass nichts echt war? Ich meine, Sie können alles auf alles draufkleben.
– Aber die Fans?
– Die Bierdesigner sollen sich was einfallen lassen. Da geht noch was. Außerdem: Wer braucht Fans?
– Schön, bei den Ticketpreisen ein zu vernachlässigender Faktor.
– Können Sie sich das vorstellen: Besoffene Prolls, die in meinen schönen klimatisierten Domes rumgrölen? Wollen Sie das?
– Unterm Strich sind Fan-Darsteller auch billiger, schon wegen der Sicherheit.
– Ich sehe, Sie haben mich verstanden. Ich will saubere Spiele, ich will die großen Sender, ich will VIP-Lounges, ich will Spielerfrauen, ich will Promis und Boxenluder, ich will die Scheichs, ich will die Putins zu Gast bei Freunden, von mir aus sogar die Berlusconis. Kurz, ich will Länder mit einem Ansprechpartner, alles andere ist viel zu kompliziert. Also wenn Katar uns will …
– Katar will uns, Sir.
– Dann soll Katar uns haben.

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