Die mit dem leeren Stuhl

Heute im Feuilleton der gedruckten SZ: China-Versteher-Artikel von Martin Jacques (ähnlicher Beitrag hier), der uns eindringlich rät, endlich die chinesische Perspektive zu adaptieren. Weil es eh nicht zu ändern ist:

Wir beharren darauf, die Welt durch unsere Optik zu betrachten. Keine andere Tradition oder Geschichte kann sich mit unserer vergleichen. Unsere ist alles überlegen, wir werten die anderen, soweit sie von unserer abweichen, ab. Das zeugt nicht von unserer Weisheit, sondern unserer Ignoranz. Eurozentrismus — oder vielleicht sollten wir besser sagen West-Zentrismus — ist zur universellen Messlatte geworden, an der wir alle anderen in unterschiedlichem Maß scheitern sehen. Diese Geisteshaltung droht zu unserem größten Handicap am Beginn einer neuen Ära zu werden.

Ja, wir sind schon ein verhärtetes Volk, wir beharren einfach darauf, eine kriminelle Bonzendiktatur nicht als „Schule der großen Harmonie“ zu betrachten. Wir mögen auch keine Soldatenhände vor Kameraobjektiven oder leere Stühle, wo Schriftsteller hätten Platz nehmen sollen.

Ja, und wir fanden es richtig, dass die chinesische Politik ausgerechnet im Moment ihrer protzigsten Show mit unangenehmen Fragen gequält wurde.

Sicher ist, „das Gesicht der Kulturmacht China wird sich sehr von dem der Vereinigten Staaten unterscheiden.“ Dass es jedoch dieselbe Faszination auslöst, ist eher unwahrscheinlich. — Wetten?

Und die SZ sollte ein bisschen googeln. Für diese „Geisteshaltung“ gibt es bereits das passende Wort: Sinophobie. Für Phobien sind sie Experten, und islamophob bin ich ja schon.

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