Nye kulturni: Marco Huck vs. Denis Lebedev

Umschlagrückseite von Truman Capotes Reisebericht 'The Muses Are Heard'. 1956, mitten im Kalten Krieg, war die kyrillische Schrift ein Statement.


Daraufhin wollte Miss Ryan wissen, worüber er denn denn mit dem Soldaten gesprochen habe. „Ach, über nichts“, sagte er. „Große Schnauze haben sie, wenn sie zu viel intus haben, weiter nichts. Er war aus irgendeinem dämlichen Grund der Ansicht, Sie hätten ihn beleidigt. Ich habe ihm gesagt, er sei aber ganz schön nye kulturni. Das sollten Sie sich übrigens merken, dieses Wort ist extrem nützlich hier. Wenn Sie hier jemand von der Seite anquatscht und Sie das nicht so stehen lassen wollen, dann hat es wenig Sinn, den Betreffenden mit Bastard oder Hurensohn zu titulieren. Sagen Sie einfach, er ist unkultiviert, das sitzt.“

Komisch, beim Ballyhoo (manche sagen auch Pressekonferenz dazu) im Vorfeld des Kampfs Marco Huck vs. Denis Lebedev am 18.12. 2010 in Berlin fiel mir diese Stelle aus ‚Die Musen sprechen‘ wieder ein.

Dort nämlich beleidigte Huck seinen Gegner als „hässlich“.

Lebedevs Manager Vlad Hrunov hingegen konterte Hucks Proll-Anmache mit eisiger Distanz: „Wir sind hier, um großen Sport zu zeigen … Bis zu den Aussprüchen von Marco Huck hatte ich das deutsche Wort ‚hässlich‘ gar nicht gekannt.“

Er hätte auch sagen können: „Nye kulturni.“

Ob es „gesessen“ hat, ist nicht bekannt. Boxerisch jedenfalls hat es gesessen, und Huck konnte seinen Titel schließlich nur mit einigem Wohlwollen der Punktrichter behalten.

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