Literatur schafft sich ab, und Übersetzer sind schuld

Literaturmarkt: Fallobst im Frühjahr – Themen – Feuilleton – FAZ.NET.

Die neue Übersetzervergütung droht, die Literaturprogramme zu ruinieren – und am Ende die Häuser selbst.

Himmel, hilf! Vergütung „droht“ und Abendland geht unter, zumindest wenn man Felicitas von Lovenberg hört. Grund zur Klage liefern ihr nicht nur die Scheißfrühjahrsprogramme der Verlage, sondern — erneut — die Übersetzer. Sie ruinieren mehr oder weniger alles, und nichts, aber so was von gar nichts bleibt übrig von dem, was uns lieb und billig war.

Verehrte Frau von Lovenberg, sollen wir in diesem Ton auch mal über Redakteursgehälter bei Ihrem Blatt reden? Gar die „Leser“ darüber entscheiden lassen, wie viel Sie (ja, Sie!) verdienen dürfen oder was davon überhaupt, etwa im Vergleich zu Ihren zahlreichen freien Mitarbeitern, überhaupt „verdient“ ist? Immerhin ächzen auch die Printzeitungen am digitalen Umbruch. Bescheidenheit wäre also eine Zier.

Denn: Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft der deutschen Presselandschaft. Wirklich.

Nicht wahr, das verbäten Sie sich. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Ich auch.

Egal ob bei Lokführern oder Übersetzern, wie kommt es eigentlich, dass sich ausgerechnet die privilegierte Meinungskaste der großen Zeitungen veranlasst sieht, bei anderen (wohlgemerkt, nur bei anderen) bereits das Eintreten für die eigenen Interessen zu kritisieren — meistens als standort-, branchen- oder gar zukunftsgefährdend?

Antwort 1: Weil sie immer nur das allgemeine Wohl im Sinn haben und wir ohne sie aufgeschmissen wären.

Antwort 2: Weil Sie uns für doof halten. Und weil wir, da wir nicht in demselben Raumschiff leben wie sie, in ihren Augen ohnehin nicht existieren.

Aber ich kann Ihnen versichern: Ich existiere. Und ich will nichts anderes als Sie.

Gefallen hat mir hingegen der Titel Ihrer sorgenvollen Weckrufs. Fallobst im Frühjahr! Mann, diese Alliteration, darauf muss man erst mal kommen. Und dann im Frühjahr! Fallobst im Frühjahr! An solchen Überschriften erkennt man den Profi. Weil, normalerweise fällt Fallobst ja im … also nicht im Frühjahr …

Ähm, blöde Frage, zugegeben, aber war das eigentlich selbstreferentiell, das mit dem Fallobst? Das wäre nämlich noch witziger.

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