Liegengeblieben: Rau, etwas breit (Now press this)

Was noch um acht Uhr früh?

Die Forsythien vor dem Küchenfenster sind über Nacht explodiert, und ich suche einen neuen Job. Für alle diejenigen: sie sind knatschgelb.

Der „barista con esperienza e conoscenza lingua tedesca“ in mir hat die Maschine unter Dampf gesetzt, und das Radio läuft.

Der niedersächsische Ministerpräsident McAllister dankt den Türken dafür, dass sie geblieben sind, ohne anzukommen, und ich suche einen neuen Job.

Kein Witz, Aldo. Im Ernst, weissu? Wozu gehöre ich zu den „baristi tedeschi“? Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Volle zehn Jahre länger als die Türken weilt der hillije Niedecken schon unter uns. Das rockige Relikt feiert in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Geile Zick, verzäll nix!

Bisher ausgeübte Tätigkeit war in der Kulturindustrie … Nein, und ich empfinde hinter der Theke keineswegs als Abstieg, bloß ich kann keine bella figura in Milchschaum, aber ich habe mich bereits für diese Schulung angemeldet, also frühestens in … weissu? Mit meinem Auftreten, meinen Umgangsformen?

Die Kaffeesorte, die ich zu dieser Tageszeit empfehle, wird in der Literatur beschrieben als „rau, etwas breit“. Keine Schönheit, kein Spitzenprodukt, mediterran im Sinn eines Antonioni-Films, körnig, ehrlich, ohne Säure. Elegante Säure wird überschätzt, wie Balsamico, den ich aus diesem Grund gleichfalls nur selten verwende.

Der englische Videokünstler, der in dieser Stadt gerade ausstellt, sagt: „Ich mache ja schon lange Videokunst. Aber diesmal wollte ich etwas wirklich Neues: mehr Bildschirme zum Beispiel.“

Orhan Pamuk sagt: „Das Ausmaß meiner Überwachung wird mittlerweile von der Regierung reduziert. Daran sehe ich, dass sich meine Situation verbessert hat.“

Das Radio sagt: „Wenn Kate bei der Hochzeit ihr Haar erneut offen trägt, hat sie ein Problem.“

Und: „Wenn Sie heutzutage wirklich Shiitake-Pilze kaufen müssen, nehmen Sie im Asia-Markt die staubigste Tüte von ganz hinten im Regal.“

Also eigentlich freue ich mich auf meinen neuen Job. Und „Latte Art“ kriege ich hin. Wichtig ist ein Kännchen mit einer spitzen Tülle und eine ruhige Hand. Der Kursleiter sagt: „Sie müssen kein Picasso sein, um solche Bildwerke zu schaffen, Vasarely reicht.“ Niemand lacht.

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