Trainersprüche: Oscar de la Hoya vs. Derrell Coley

Seit Wochen kein vernünftiges Boxen mehr im Fernsehen. Daher kramt Tom R., Boxtrainer in unserem friendly neighbourhood gym, gern mal in der Videokiste.

Gestern Abend auf dem Programm: De la Hoya gegen Derrell Coley.

Allerdings verliert so ein alkoholfreier Kampfabend im Hause R. (Schützlinge anwesend, es gibt maximal Red Bull) noch weiter an Unterhaltungswert, wenn er mit einem Lehrvortrag verbunden ist. Der Vortrag des gestrigen Abends lautete in etwa: „Übersicht — Stabilität — Konsequenz“.

All das bzw. dessen Abwesenheit sollten wir anhand de la Hoya vs. Coley sehen. Wobei nach mancher Runde auch gleich wieder zurückgespult wurde, um zu demonstrieren, was wir alles nicht gesehen hatten, aber hätten sehen können, wenn wir auch nur halb so schlau wären wie Tom.

„Hier, dieser Moment in der vierten Runde, wo de la Hoya plötzlich unter Druck gerät: Kommt euch das beim ersten Mal nicht vor wie eine Ewigkeit? Das ist aber normal. Weil der bisherige Kampfverlauf völlig durcheinandergerät und weil wir darauf nicht eingestellt sind. In Wirklichkeit — ihr könnt es stoppen — ist es nur ein Intermezzo ohne weitere Bedeutung. La Hoya ist sofort wieder da. Warum? Weil es Coley nicht gelingt, la Hoyas inneres Programm zu zerstören. Und dieses Programm heißt …?“

„… Übersicht, Stabilität, Konsequenz?“

„Genau. Konsequente Aggression. Arbeit! Für Oscar die natürlichste Sache der Welt. Er kann gar nicht anders, es ist sein Programm. Und was ist jetzt mit Coley, was fällt euch an ihm auf? Kleiner Tipp: Achtet mal auf die Körperhaltung, die schräge Stellung zum Gegner, sie ist der Schlüssel zu allem.“

„Hmmm …  Er ist ist unterlegen?“

Schlimmer! Ich will mal so sagen: Der Brother hat die Hosen voll und die Deckung unten. Das soll cool wirken, aber fuck you, Nigga, so wird das nichts. Er verliert Runde um Runde, aber die Show ist ihm wichtig, sieht so etwa Konsequenz aus? Hosen voll und gleichzeitig die Deckung unten: damit kommt man nicht mal im wirklichen Leben durch!“

Die Auseinandersetzung fand statt am 26. Februar 2000 im Madison Square Garden, New York. Ein Tag, an den ich mich im wirklichen Leben erinnere, weil ich ein echtes Verbrechergedächtnis habe, sagt meine Freundin. De la Hoya hatte den letzten Kampf (gegen Felix Trinidad) verloren, seine erste Niederlage überhaupt, Coley hatte seine letzten Kämpfe gewonnen und kleine Reichweitenvorteile, was ihm beides nichts nutzte, Michael Buffer war noch jung und nicht in der Saturn-Werbung, die Farben im Fernsehen waren vornehmlich pink, und den letzten Satz fand ich wirklich apart.

But all this is purely archival, entirely archival.

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