Katholisches Lächeln

„Ein Jahrtausendereignis, das werden wir vielleicht erst viel später begreifen“, zitierte eine große deutsche Tageszeitung einen Stellvertreter der Benedetto-Fans auf Erden.

Nun ja, „viel später“ kann bei einem Jahrtausendereignis auch heißen: in tausend Jahren.

Der Mann füllt ja locker ganze Stadien, und sogar jemanden wie Jakob Augstein, der eigentlich nie ganz den Durchblick hat und daher „im Zweifel links“ zu sein gelobt, hat das Matussek-Virus befallen, und ihm geht richtig einer ab angesichts der überrationalen Autorität, die der Papst angeblich verkörpert. Wenn das selbsthypnotisierte Glaubensvolk schon so lange daran glaubt (und es will glauben), muss auch etwas dran sein. Vor allem muss es etwas wert sein.

Mich aber beschäftigt etwas anderes, und es sind, zugegebenermaßen, reine Äußerlichkeiten. Aber nur oberflächliche Menschen interessieren sich nicht dafür.

Denn der Papst bewegt sich wie ein Zombie, und er redet so abwesend wie ein Medium — nur ohne Botschaft aus dem Jenseits. Vielleicht finden einige diese Körpersprache vergeistigt, ich finde sie gespenstisch.

Und er hat dieses Lächeln, das kaum den Namen Lächeln verdient. Es ist dasselbe schmallipige, kleine, käsige, lieb-und freudlose Lächeln, wie es die unbarmherzigen Ordensschwestern hatten, damals auf dem Internat.

Wer es erlebt hat, weiß: Das kann kein Zufall sein, das ist kein Zufall.

Jürgen Becker fasste es mal so zusammen: „So sieht jemand aus, der achtzig Jahre lang nur die Menschen geliebt hat.“

Das ist eigentlich schon alles. Für den ganzen Rest habe ich sogar ein gewisses Verständnis. Ich habe selber viel zu viele Jahre katholischer Erziehung genossen, um nicht zu wissen, dass man über Absolutes nicht abstimmen kann. Es schließt sich geradezu aus. Absolute Werte sind nicht verhandelbar, und ihr Hüter darf sich weder einer zufälligen Mehrheitsentscheidung beugen noch dem schäbigen „Zeitgeist“.

Doch auch hier gilt: This door swings both ways … Ich verhandle ebenfalls nicht. Ich würde heute nicht einmal an Gott glauben, wenn es ihn gäbe.

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