Auf missverständlichen Claims

Zwei Meldungen aus unterschiedlichen Welten. Was dem einen ein Gräuel ist, gehört für die anderen zu den „Claim-Trends“ 2011: beknacktes Pseudo-English im Deutschen.

#1:  In ihrem Antrag hatte die rechtsextreme NPD gefordert, die sächsische Landesregierung solle künftig in allen Texten Anglizismen durch deutsche Wörter ersetzen. Taktisch geschickt bezog sich der Antrag auf eine ähnliche Initiative durch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der ein Handbuch für sein Ministerium erstellt hatte um in seinem Ministerium Anglizismen einzudeutschen. Seitdem gibt es im Verkehrsministerium nur noch „Auftaktveranstaltungen“ statt „Kick-Off Meetings“.

via  Deutschunterricht für die NPD: „Ein Sprachenbastard erster Güte“ – taz.de.

#2:  Allerdings wurde vermehrt darauf geachtet, missverständliche Claims zu vermeiden. Man denke in diesem Zusammenhang an das seinerzeit verunglückte „Come in and find out“ der Parfümeriekette Douglas, das allgemein als „Komm herein und finde auch wieder hinaus“ interpretiert wurde. Im Gegenteil, die Claims wurden kürzer (siehe dazu auch Megatrend 3) und beliebiger.

via Werbung – Claim-Trends 2011: Englisch, doppeldeutig, kurz.

Eine Variante des Douglas-Spruchs kenne ich auch als Werbung für eine Gay-Disko: „Find in and come out!“ Das ergibt Sinn und ist noch witzig, eine Seltenheit. Schwule sind eben anspruchsvoll.

Ansonsten regieren eher kreative Großmannssucht und komplette Ahnungslosigkeit. Schöne Beispiele liefert immer wieder mein Fitness-Studio, etwa mit dem Slogan „Shower for more power!“ oder „Fill in and get fresh!“

Insbesondere das zweite Beispiel dürfte kein nativer Engländer mehr verstehen. Woher soll er erfahren, dass er seine Trinkpulle an der Bar nur einmal mit Isozeug befüllen lassen muss (offenbar „fill in“), um sämtliche Wiederfülls für umsonst zu kriegen, bis er so fresh gettet (nämlich frech wird), dass er rausfliegt?

Das wahrhaft Schlimme ist jedoch: Man kann nicht einmal meckern. Das Studio macht seinem Namen nur alle Ehre. Es heißt „Body up“.

Body up! Das ist fast so gut wie das Brain-up-Projekt der früheren Forschungsministerin Edelgard Bulmahn. Denn Kopf und Verstand müssen ab, um im Zeitalter der Globalisierung …

Raus!

Ein Kommentar zu „Auf missverständlichen Claims

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