Jedes Wir eines zu viel

Verwerfliche Denkweise herausbekommen. (Foto: kallejipp / photocase.com)

Die Kanzlerin redet in ihren drei Minuten fünfzehnmal vom „Wir“. Wer ist damit gemeint? Die Kanzlerin erklärt weiterhin, diese Morde seien „eine Schande für unser Land“. Drittens fordert sie, „wir“ müssten eine bestimmte verwerfliche Denkweise aus den „Köpfen (…) herausbekommen“. Aus drei Gründen also ist die Rede der Kanzlerin missglückt. Sie öffnet das Tor zu einer illiberalen Sicht auf Staat und Gesellschaft, sie arbeitet mit antirepublikanischen, latent undemokratischen Versatzstücken.

via Die Kanzlerin und der Terror – The European – N24.de

Natürlich wiegen Neonazi-Verbrechen in Deutschland schwerer als anderswo, das zählt zum historischen Erbe der Deutschen, aber die Beschwörung einer Tätergemeinshaft durch die exzessive Verwendung der ersten Person Plural geht mir allmählich auf den Senkel. Das Wir gewinnt, auf allen Kanälen. Dabei bin ich gar nicht schuld, war nicht einmal in der Nähe des Tatorts, weder räumlich noch gedanklich, gar nicht.

Noch wiriger treibt es die taz-Kolumnistin Kübra Gümüsay auf ihrem Blog: „Nein, die Täter sind unsere Täter. Die Opfer sind unsere Opfer. Das Blut ist unser Blut. Das alles geschieht in unserem Land, in unserer Gesellschaft. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie sind unser aller Themen. Denn wir sind krank.“

Und gelungene Integration ist wohl, wenn das scheinheilige Betroffenheits- und Selbstbezichtigungsgedöns selbst von einer Claudia Roth nicht mehr zu toppen ist. Trotzdem kann man ziemlich sicher sein, dass Gümüsay zumindest einen vom allgemeinen Krankheitsbefund ausnimmt: sich selbst.

Da ich mich gleichfalls nicht zu den Kranken zähle, sind wir also schon zwei. Zwei von achtzig Millionen. Meldet sich vielleicht noch jemand?

Und noch ein Textbaustein fällt einem zurzeit ständig auf den Kopf. Dass nämlich „jeder Tote einer zu viel“ sei.

Ja, was denn sonst? Oder ist etwa eine Situation denkbar, in der jeder Tote genau richtig ist? Die Frage führt uns übrigens gleich zur nächsten: Sollte man sich von Leuten, die solchen Blödsinn von sich geben, überhaupt etwas sagen lassen?

Soll man?

Raus!

Next!

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