Und weil es von Grass ist …

Diese sympathische Piratin freut sich wie ein Schnitzel, weil sie unseren Volksdichter gratis aus der Zeitung saugen kann. "Kultur ist für alle da", sagt sie. (Foto: cydonna / photocase.com)

Wirbel um Gedicht von Günter Grass: Literaturnobelpreisträger wirft Israel Gefährdung des Weltfriedens vor – Politik Inland – Bild.de.

Auf eines kann man sich bei der Süddeutschen fest verlassen: Es gibt mindestens einmal pro Woche einen guten Rat an Israel. Kein Land der Erde bekommt von dem Blatt so viele gute Ratschläge wie der Judenstaat, nicht einmal das Saarland oder die USA.

Diesmal sogar sogar in lyrischer Form. Das ersetzt mindestens zehn Artikel von Tomas Avenarius — hoffentlich.

Aber ich bin auf den letzten Seiten eines Übersetzungsauftrags, wo sie alle sterben (auch meine Deadline ist längst überschritten), und habe für solchen Scheiß eigentlich gar keine Zeit. Trotzdem, ein caffè ristretto beim Barista muss sein.

— Che c’è?

— Grass hat wieder ein Gedicht geschrieben.

— Wer ist Grass?

— Günter Grass ist ein deutscher Schriftsteller und Nobelpreisträger.

— Nie gehört. Und?

— Hier, lies mal. Ich wüsste gerne deine Meinung.

Ein Fehler, wie sich schnell zeigt. Denn der Barista hat echt so was von überhaupt keine Ahnung. Ich wette, er hat im Leben nie etwas anderes gelesen als die Gazetta dello Sport. So ist auch seine Antwort. Er sagt nämlich …

— Und wieso ist das jetzt ein Gedicht? Das reimt sich ja nicht mal.

— Wieso? Es ist ein modernes Gedicht, es muss sich nicht reimen. Und es geht um den Frieden. Und um die ewigen Störenfriede, was aber nicht der Grass ist, obwohl er das gerne auch wäre, also Störenfried, nur eben andersrum, bei den Guten so. Weil das Gedicht ist ja von Grass, das ist sozusagen das lyrische Ich und der große Unbequeme und das moralische Gewissen und …

— Hmmm. Gewissen?

— Genau.

— Arsch lecken!

Normalerweise ist der Barista ein Mann von teflonartiger Höflichkeit — solange man sein Handy ausgeschaltet lässt. Aber es ist gerade niemand in Hörweite, und er hat intakte Instinkte. Regelmäßiger Gazetta-Leser eben. Und wieso ist das jetzt ein Gedicht?

Was für eine Frage! Wenn man nur froh ist, dass es vorbei ist.

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