Packerlpost nicht lustig

Silke Burmester über das bedrohte alpenländische Lexikon:

Lustigerweise bin ich gerade gestern Abend bei meiner Gutenachtlektüre „Claudine in Paris“ über die „Stiege“ gestolpert und dachte: „Ah, sieh mal an, zumindest in der Ausgabe von 1958 hat man noch Österreicher Bücher übersetzen lassen.“

via Das Hochdeutsche ist in Österreich auf dem Vormarsch – SPIEGEL ONLINE.

Sprachliche Oppression existiert aber auch umgekehrt. Als Rheinländer in Bayern hat es bei mir etwa zehn Jahre gedauert, bis mir das Wort „Semmel“ über die Lippen ging, denn richtig muss es natürlich lauten: Brötchen.

Brötchen, nicht Semmel, capisci?

„Grüß Gott“ oder „Servus“ geht aber immer noch nicht, schon gar nicht das urbayerische „pfüat di“. Das Einzige, was ich wirklich uneingeschränkt akzeptiere und benutze ist die „Packerlpost“ und, ähm … „Am Arsch leckst mi!“ Es ist ja nicht alles schlecht. Dennoch, der Grundkonflikt (Welches Deutsch hätten Sie denn gern?), der bleibt.

Komischerweise bin ich bei Österreichern und Schweizern toleranter, schreibe also bei Büchern für österreichische oder Schweizer Verlage nur zu gern „Pensionist“ oder „Signalement“ oder „Spital“. So als kleinen Gruß aus der Übersetzerküche und Zeichen der Kundenorientierung. Respekt vor fremden Kulturen (Augenhöhe!) ist heute wichtiger denn je. Aber das merkt mein österreicher oder schweizer Gegenüber oft nicht einmal und findet es daher auch nicht  — was es doch eigentlich ist: lustig.

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