Ruhe, bitte!

Literarische Übersetzungen aus den 1950er Jahren oder noch ältere tendieren dazu, dass sie sehr viel erläutern wollen, manche Übersetzer haben einfach erklärende Passagen eingeschoben. Mittlerweile ist uns die amerikanische Kultur sehr nahegekommen …

via Das Problem mit der Einfachheit – NZZ.ch

Schlimmer noch als lebende Autoren sind häufig deren Erben. Obwohl einiges dafür gesprochen hätte, konnte Hemingway zum Beispiel seit vielen Jahren nicht neu übersetzt werden, weil es eine so genannte „autorisierte“ Übersetzung gab, die sozusagen heilig war. Doch das soll ab Herbst anders werden.

Die NZZ im Gespräch mit meinem Kollegen Werner Schmitz über die Arbeit an Der alte Mann und das Meer.

Aber im Ernst: Wie übersetzt man ein Buch, das seit seinem Erscheinen fast mythische Proportionen angenommen hat? Das in jede Richtung interpetiert, dessen kompakte Syntax von der Gender-Tanten längst als Monument männlicher Machbarkeitsphantasien dekonstruiert wurde und das am Ende trotzdem nicht so klingen soll wie Wolf Wondratschek meets Ben Becker?

Vor allem, wie geht man damit um, wenn man weiß, dass einem jeder Kritikerdepp, der auch nur zwei Wörter Englisch versteht, auf die Finger schaut und nur darauf wartet, alles unsäglich zu finden?

Dann wünscht man sich, wie vor der Tür eines Tonstudios, ein rotes Licht mit der Anweisung „Ruhe, bitte! Aufnahme.“

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