Prantl, wo bist du?

Vielleicht habe ich etwas übersehen, aber ich habe jetzt schon länger nichts mehr von meinem Lieblingsjournalisten Heribert Prantl (SZ) gehört. Zumindest hat er in jüngster Zeit nichts geschrieben, das voll dämlich ist. Und ich vermisse das. Sehr sogar. Nichts, das am Morgen meinen Blutdruck so in Schwung bringt wie eine ordentliche Portion Stuss vom Prantl. Doch jetzt habe ich einen fürchterlichen Verdacht: Der Prantl ist gar nicht mehr bei der Süddeutschen, sondern bei der Welt, genauer gesagt bei der Welt am Sonntag.

Sonntag war nämlich mein prantlfreier, sprich stussfreier Tag. Sonntag war Welt-am-Sonntag-Tag. Vorbei. Die Verprantelung der Welt hat begonnen.

Wie sonst ist der große Bericht über die jüdische Seelenlage nach dem Überfall von arabischen Schlägern („Jugendliche“) auf einen Rabbiner zu erklären, der folgendermaßen beginnt:

„Das harsche Urteil zu Beschneidungen hat viele Juden verunsichert. Vor zwei Wochen wurde auch noch ein Rabbiner angegriffen und verletzt.“

Erst die leidige Beschneidungsdebatte und dann auch noch das. Dinge zusammenzurühren, die nicht zugsammengehören, das kann eigentlich niemand so wie der Prantl. Auch den Fokus gekonnt wegzulenken vom eigentlichen Problem, jenem importierten Antisemtismus in bestimmten Migrantenmilieus, ist journalistisch brillant. Dadurch wird die Tat zum typisch deutschen Problem (Tätervolk!), das zu verdammen die Prantls mehr Übung haben. Jeder konzentriert sich halt auf seine Stärken.

Aber es könnte noch schlimmer kommen. Hat der Prantl sich jetzt auch in die Sportredaktion eingeschlichen? Ich weiß es nicht, aber die Hinweise darauf verdichten sich.

Etwa in jener Story über die Hool-Seuche bei meinem pathetischen Heimatverein 1. FC:

„Der 1. FC Köln verzweifelt an seinen gewaltbereiten Anhängern. Auch andere Bundesligavereine kapitulieren zusehends vor prügelnden Hooligans und zündelnden Ultras, weil die den Dialog ablehnen.“

Ach, herrlich, wer könnte das besser formulieren: Hools lehnen Dialog ab. Auch das Wort „gewaltbereit“, ein Euphemismus, ist mal von den Prantls dieser Welt erfunden worden, um „gewalttätig“ nicht sagen zu müssen — weil dadurch die Tür zum Dialog zugeschlagen wird. Diesem ominösen Dialog wohnt nämlich Zauberkraft inne, er ist Heilmittel für Unfrieden jeder Art: allein durch Reden.

Okay, der Prantl wird mir jetzt nicht zustimmen, aber ich weiß was Besseres: Mit manchen Leuten redet man nicht. Die sperrt man ein. Doch, echt. Denen schlägt man die Tür zum Dialog vor der Nase zu — und dreht dann den Schlüssel um. Und einige davon könnte man anschließend sogar rausschmeißen. Kein großer Verlust für Deutschland, solche Fachkräfte braucht hier niemand.

Ach, Prantl, wo immer du auch bist, ich verzeihe dir. Ich weiß, du kannst nicht anders. Nur geh bitte wieder zurück an deinen alten Schreibtisch bei der SZ, das ist übersichtlicher. Ich lese dich, wenn’s sein muss, sechs Tage die Woche. Aber am siebten muss ich ruhen, der siebte Tag muss stussfrei bleiben. Danke.

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