Dann mal viel Spaß

Einige deutsche Kommentatoren argumentieren neuerdings, der freiwillige Verzicht auf Mohammed-Satire im Angesicht akuter Gefahr für Leib und Leben stelle keineswegs eine Preisgabe der Meinungsfreiheit dar, sondern beweise einen souveränen, verantwortungsbewussten Umgang damit.

via Islamistische Gewalt: Der Westen darf sich nicht länger erpressen lassen – Nachrichten Debatte – Kommentare – DIE WELT.

Okay, die Frage steht im Raum wie ein ungebetener Gast. Die Frage: Lohnt sich der Einsatz für etwas, mit dem man direkt nicht einmal in Verbindung gebracht werden möchte? Gemeint ist — once again — jenes bescheuerte Mohammed-Video. Oder anders gefragt: Sind Mohammed-Karikaturen wirklich so weltbewegend, dass man darum kämpfen muss? Denn ehrlich gesagt geht mir dieser Scheißmohammed ziemlich am Arsch vorbei. Mit dem habe ich keinen Vertrag mit, wie man in Köln sagt.

Die Antwort ist dennoch eindeutig ja: Ja. Dass Mohammed-Verarsche tatsächlich weltbewegend ist, wird mittlerweile niemand mehr bestreiten, der hin und wieder die Nachrichten sieht. Und natürlich sind alle Auseinandersetzungen um das Recht, diese auch zu publizieren, erst einmal symbolischer Natur — und so mediengerecht wie jene nahöstlichen Spezialitäten Botschaftenangreifen und Fahnenverbrennen. Es sind hochsymbolische Schlachten um die Gedankenhoheit.

Genau das macht sie so wichtig. Alle Schlachten um die Freiheit der Literatur etwa entzündeten sich an einzelnen Büchern. Dass es zugleich bedeutende Bücher waren (etwa von Flaubert, Joyce oder Henry Miller) erscheint in der Rückschau weniger wichtig als das Prinzip, um das es ging. Ja, es geht ums Prinzip, nur ums Prinzip, aber es ist ein hohes Prinzip. Wenn wir (ich sage mit Absicht wir, ganz ohne Willkommenskultur) diese symbolische Schlacht verlieren — und westliche Gesellschaften sind durch die jahrelang eingeübte politische Korrektheit höchst geneigt, klein beizugeben –, dann wird es auch im Realen hässlich, dann wird man nach und nach immer mehr bürgerlichen Freiheiten goodbye sagen müssen.

Ob man es wahrhaben will oder nicht: Unfreiheit ist ein raumfordernder Prozess. Sie wächst, bis sie alles erdrückt hat. Linksgrünalternative Spinner mit einem Herz für Kulturbereicherung der allerprimitivsten Art empfinden dies nicht als schmerzhaften Prozess. Das nennt man wohl Verdrängung. Viel Spaß dabei.

So, und jetzt muss ich mich erst einmal um etwas anderes kümmern. Da kann man auch schön draufhauen.

Funktioniert übrigens hervorragend, das kann der Barista bestätigen.

(Quelle: YouTube)

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