Drohne in der Suhle

Im geschmeidig galoppierenden klassischen Versmaß und im hochliterarischen Imperfekt [gemeint ist wohl Imperativ, aber was soll’s?] ruft Grass in seinem Gedicht zum militärischen Geheimnisverrat in aller Welt auf: „Drum: Wer ein Vorbild sucht, versuche ihm zu gleichen, entkleide, werde mündig, spreche aus, was anderswo in Texas, Kiel, China, im Iran und Russlands Weite erklügelt wird und uns verborgen bleibt.“

via Günter Grass: Der Rufer in der Wüste | Kultur – Frankfurter Rundschau.

Verborgen bleibt? Bullshit. Soll ich mal literarischen Geheimnisverrat begehen? Aufdecken,warum ein Organ wie die Frankfurter Rundschau den Nobelpreisträger schließlich auch noch als „Rufer in der Wüste“ bezeichnet? Vermutlich, weil selbst Agitprop-Nostalgiker diese von Altersstarrsinn wie ferngelenkte Drohne insgeheim am liebsten genau dorthin schicken würden: in die Wüste. „Geschmeidig galoppierend“ kommt eben die Erregungssau kein zweites Mal in Fahrt, weder in Kiel noch in „Russlands Weite“, sondern bleibt gleich in den alten Schlammlöchern stecken — und suhlt sich, was außer peinlich auch ganz schön langweilig ist.

Kann der Grass eigentlich froh sein, dass sich wenigstens die Israelis noch einmal aufregen. Die meisten anderen im Publikum wollen das nächste Mal zum Mud-Wrestling. The real thing, yeah!

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