Der übersetzen Wollende der Woche

Kurz vor Weihnachten drehen manche noch einmal richtig auf. Da ist zum einen unsere Gedönsministerin Kristina Schröder mit ihrer Schöpfung „das Gott“, was ihr einen Verweis aus dem Vatikan eingetragen hat. Sie beherrsche die „Grundrechenarten der Religion“ nicht, heißt es aus Rom, aber seit wann muss man bei Religion rechnen können? Ich meine, der Witz hat doch so einen Bart: Religion sehr gut, Kopfrechnen schwach. Nur Gott allein würfelt nicht.

Und jetzt noch der Handke. In der aktuellen Zeit rechnet er mit dem ungeliebten Suhrkamp-Gesellschafter Hans Barlach ab und das nicht zu knapp. Er, Barlach, sei „ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser“, ein „Unhold“, ein „Satan oder Schaitan“ (hübsch: Handke will auch bis in die Parallelgesellschaften außerhalb der Niemandsbucht verstanden werden), ein „Sichbreitmacher“, ein „sich mir nichts, dir nichts eingekauft Habender“ usw. usw.

Aber da Weihnachten naht und um den Preis von Barlachs Selbstentfernung aus dem Verlag macht Handke dem Enkel von Ernst Barlach ein Angebot, das dieser, denkt er, nicht ablehnen kann. Er wolle, schreibt Handke, das Drama Der blaue Boll von Ernst Barlach in andere Sprachen übersetzen, also schlimmstenfalls sogar in mehrere. Handke ist damit unser „mir nichts, dir nichts übersetzen Wollender“ der Woche, besser ein „mit Übersetzung Drohender“, ein „sich schamlos in fremden Federn Wälzer“ der Woche. Keine Ahnung, ob Barlach den Köder frisst. Fest steht nur: Wenn Handke so übersetzt, wie er schreibt, kann er wohl kaum  … schaitan. Und wenn wir uns vor Weihnachten nicht mehr sehen: Frohes Fest!

Apropos Ernst Barlach: In dem kleinen Ostseeort Rerik, Schauplatz von Alfred Anderschs Roman Sansibar oder der letzte Grund, hängt an der Kirchentür ein Schild:

Die Skulptur von Ernst Barlach
„Der lesende Klosterschüler“
ist in dieser Kirche NICHT zu sehen!

Das Schild richtet sich an Touri-Pappnasen, die sich gern auf den Spuren von Literaten bewegen, obwohl sie deren Bücher nicht einmal richtig gelesen haben. Denn in Sansibar geht es doch gerade darum, wie die Figur aus der Kirche herausgeschmuggelt wird, damit sie vor den Nazis sicher ist.

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