Alle scheiße außer Akif

Jedes Psychogramm in einem gewöhnlichen Krimi ist aussagekräftiger als die abgehobene Kacke in einem Walser-Werk, in dem es einzig und allein darum geht, daß ein Tattergreis unbedingt die Muschi einer Kunststudentin betatschen will.

via Die Achse des Guten | Akif Pirincci: Typologie deutscher Schriftsteller.

Zugegeben, das mit dem Walser fand ich anfangs ja auch lustig. Zugleich ist Walser-Bashing natürlich das Leichteste, wo gibt. Überhaupt sind in dieser für Pirincci-Verhältnisse verblüffend unfallfrei geschriebenen Typologie deutscher Schriftsteller so ziemlich alle Kacke, die mit und vom Schreiben leben, angefangen bei den „ganz, ganz Doofen“ bis hin zu den „Fernsehvisagen“. Und das wiederum ist, finde ich, irgendwie arm. Es stimmt ja, aber so ist es trotzdem nicht, und irgendwann hört es auch auf, witzig zu sein.

Die Einzigen, die hier gut weg-, das heißt gar nicht erst vorkommen, sind wieder mal die Übersetzer. Vermutlich weil sie eh nicht mitzählen, weil sie nicht so durchgeknallt sind, sondern bloß einen ganz normalen Beruf haben und sich durchaus vorstellen können, einmal etwas ganz, ganz anderes zumachen.

Ehrlich gesagt habe ich den Artikel auch nur gelesen, weil ich die Autorenzeile inhaltlich mit der ersten Überschrift in Zusammenhang brachte — die sich eben mit den „ganz, ganz Doofen“ befasste. Pirincci als typischer Vertreter derselben, das erschien mir plausibel. Aber so geht’s: Einmal nicht aufgepasst  …

Seit gut zwei Wochen (Krisen-Deutschland!) klebt nun schon dieses Schild im Eingangsbereich des Supermarkts: „Mitarbeiter/in zum Auffüllen der Regale gesucht. Anfrage beim Markleiter.“ Und seit zwei Wochen bin ich in Versuchung.

Nein, nicht weil ich auf diese Weise die nette, dunkeläugige Kassiererin näher kennenlernen könnte (das auch), sondern … weil ich mich nach Normalität sehne. Einmal normale Sachen machen. Aber kann man das einem Marktleiter sagen? Für mich spricht höchstens, dass ich auch kurzfristig einsetzbar bin, denn ich wohne nur ein paar Straßen weiter.

Außerdem liebe ich den Einzelhandel. Ein guter Supermarkt führt ständig zirka 70.000 Artikel. Die alle aufzufüllen wäre … auf jeden Fall etwas anders, als alles immer nur alles scheiße zu finden. Faszinierend finde ich auch die Idee von den „Warengruppen“. Es bereitet mir keinerlei Schwierigkeiten einzusehen, dass sich Paniermehl nicht irgendwo bei Weizenmehl Typ 405 und Typ 550 befindet, sondern bei Backwaren, denn Paniermehl ist gar kein Mehl, sondern geschrotetes Brot.

Oder Papier. Man beachte, wie in einem Supermarkt alles ineinanderfließt, obwohl es unterschiedlichen Warengruppen entstammt. Hier der Drehständer mit den Unterhaltungsromanen (nichtbuchändlerische Vertriebswege!), in Reichweite die Zeitschriften, etwas weiter Schreibwaren und Schulhefte, dann, nur wenige Schritte den Gang rein, die Küchenrollen, Kosmetik- und Taschentücher. Den Endpunkt markieren wie üblich die „Hygienepapiere“ …

Mein Gott, hat nicht Grimmelshausen einmal eine ähnliche Beobachtung gemacht? Obwohl, bei ihm fing alles mit einer Bibel an. Die wurde in der Folge auch zu allem Möglichen downgecycelt. Ihre herausgerissenen Seiten durchliefen die ganze Welt, also nichts weiter als unterschiedliche Warengruppen. Ob Pirincci das weiß?

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