Lassen Sie ab!

Mit Blick auf diese bis ins Groteske aufgepuffte Debatte bemüht sich die SZ heute um eine „begriffliche Abkühlung“, die Autoren hingegen machen sich weiter wichtig — und munter weiter, wie hier: Suhrkamp-Krise: Stellungnahme von Friederike Mayröcker – SPIEGEL ONLINE.

Ich würde daher sagen, Abkühlung reicht nicht mehr, hier hilft nur noch der Kälteschock. Und der ginge so: He, Leute, ist euch eigentlich nicht klar, dass dem normalen Leser scheißegal ist, ob das Buch, das er kauft, ein Suhrkamp-Signet trägt? Und dass, sollte euch die Selbstvernichtung gelingen, kaum jemand das Verschwinden dieses Verlages wirklich bemerken würde, weil die Bücher dann eben woanders erscheinen? Okay, ist weiß, das ist hart, aber es ist die Realität: Die guten Sachen gehen schon nicht verloren. Und die Welt ohne Suhrkamp, sie ginge nicht unter, sondern machte einfach weiter, die Sau.

Im Grunde dürfte es so ablaufen wie bei der Schließung eines Stadttheaters. Dagegen gehen auch regelmäßig Leute auf die Straße und sprechen von „Kahlschlag“ und dem „Ende einer ganzen Kultur“, aber es sind ebenso regelmäßig nur diejenigen, die davon direkt betroffen sind, das heißt die ihren Job verlieren, niemals die Zuschauer. Bitter, oder? Die echten Fans sind nämlich keine Intellektuellen.

Solche echten Fans hat zum Beispiel Stephen King. Als Kings deutscher Verlag sich vor Jahren daranmachte, einige seiner Bücher in Neuübersetzungen herauszubringen, löste er auf den einschlägigen Webseiten einen Shitstorm aus. Wie sich herausstellte, wollten die echten Fans sogar die Fehler in den alten Übersetzungen zurück, so heilig war ihnen der Text.

Das klingt zunächst schön bescheuert, aber macht das mal mit eurem Zeug nach, dann reden wir weiter.

Ähm, habe ich schon erzählt, dass ich einmal den englischen Übersetzer von Friederike Mayröcker kennengelernt habe. Ist aber wahr. In meinem Sportstudio, hier in Münschen, of all places. Er sagte, ohne regelmäßig Sport und insbesondere Rückentraining ginge es nicht mehr: Verspannungen und so. „Nach zwei Stunden Mayröcker bin ich immobile wie in der Geschichte von Kafka.“ Ich wusste sofort, was er meinte.

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