Offizielle okaye Botschaft

Am Hörsaalgebäude meiner alten Uni befand sich fünf Jahre lang ein weithin sichtbares Graffito, das folgenden Wortlaut hatte: „Männer wir kommen. Kastration ist erst der Anfang!“ Fünf Jahre ging ich daran vorbei und dachte immer: Da fehlt ein Komma.

Denn hinter Männer muss ein Komma. Die werden leider oft vergessen, zum Beispiel wenn sich, wie gestern Abend wieder, Claudia Roth in Rage quasselt und alles in ein und dieselbe Gedankenpampe wirft, vom Pfiff auf der Straße bis zur gläsernen Decke. Sie redet ohne Komma und denkt auch so, ohne Komma. Ohne Komma aber bleibt alles unterkomplex.

Aber die Männer, so viel steht fest, sind schuld. An allem. Und am Ende. Der Mann an sich, zumindest der weiße, am Ende. Endlich. Der kleine Augstein hat, wenig überraschend, so etwas in seiner wöchentlichen Kolumne geschrieben. Wen er damit meint? Sich bestimmt nicht, sonst würde er nach Hause gehen, statt laufend Blödsinn zu schreiben.

Na egal. Fünf Jahre lang hielt es niemand für nötig, diese Männer-wir-kommen-Schmiererei zu entfernen, und bei grauem Sichtbeton genügt dafür ein Farbroller. Und wenn das Hörsaalgebäude inzwischen nicht in einem weiteren Kölner U-Bahntunnel versackt ist, steht sie vermutlich heute noch da.

Denn die Botschaft war Mainstream, es war die offizielle okaye Botschaft, und sie ist es wohl bis heute. Kein aufgeklärter Mensch mit dem korrekten Bewusstsein konnte im Prinzip etwas dagegen haben, jedenfalls nicht so, wie man etwas gegen den Klassiker „Ausländer raus!“ haben kann, der bestimmt nicht über fünf Jahre lang stehengeblieben wäre.

Und jetzt wird alles noch komplexer:

Bernhard Lassahn: Wie Sexismus entsteht – und warum es dafür keine Entschuldigung gibt.

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