Ich schau dir in die Seele, Kleines!

Pegida redet nicht mit der Journaille. Das mag nicht klug und auf Dauer auch nicht durchzuhalten sein, aber statt sich zu fragen, woher dieser Vertrauensverlust rührt, reagiert die Presse allgemein beleidigt, spricht zitierfähiges Nazimaterial notfalls höchstpersönlich ins Panorama-Mikro wie jener zu Berühmtheit gelangte RTL-Reporter und sucht sich beinahe auf jede erdenkliche Weise an dem unbotmäßigen Volk, dem großen Lümmel, zu rächen.

Dass dabei nicht nur die Exponenten einer Protestbewegung vorgeführt werden, sondern immer wieder auch Privatleute, gehört zum Programm. Wie ließe sich besser demonstrieren, wer auf der einen Seite die Meinungshoheit innehat — und wer ihr (auf der anderen Seite) nicht entrinnen kann. Niemand.

Selbst wenn man rein gar nichts hat, das man journalistisch sauber präsentieren könnte, egal, dann macht man es eben wie die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe. Unter dem Titel „Pegida ist erotisch: Kleiner Versuch über das Lachen einer jungen Frau“ erschien jetzt ein Stück, das man gelesen haben muss, um es zu glauben.

Allein via Fernsehbild glaubt der Schreiber, Gero von Randow, in den Kopf einer jungen Frau kriechen und berichten zu können, wie es dort aussieht. Nämlich „befreit, entspannt, gelöst.“ Weil sie, die junge Frau, endlich menschenverachtende Bestie sein darf. Wenn das nicht Gender ist.

Na gut, diese Mischung aus freier Phantasie und Diffamierung ist nur ein „Versuch“. Aber dieser Versuch ist durch und durch böswillig, und das mag ich nicht. Vielleicht, wenn sich alles ein bisschen beruhigt hat, kommt der Betreffende ja dahinter, dass es ebenfalls eine „Schande für Deutschland“ sein kann, Menschen, die sich nicht wehren können, auf diese Weise an den Pranger zu stellen. Zum Glück für ihn gilt das gesprochene Wort, erst recht, wenn es einem hehren Ziel dient.

Nur eines macht er anders als seine Kollegen, und das muss man ihm zugute halten. Bei ihm sind es zur Abwechslung nicht die alten weißen Männer, in denen alles Übel der Welt vor sich hin gärt, es ist eine junge Frau. Vielleicht, weil er mit über sechzig schon selber zu den alten Männern zählt? Auf jeden Fall ist junge Frau per se schon mal erotisch. Erotisch und böse. Kann es etwas Erregenderes geben für jemanden, der von Berufs wegen zwar immer und überall zu den guten, aber leider auch zu den elend langweiligen, alten weißen Säcken gehört?

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