Ferme-la!

Ich wusste, dass das jetzt kommt. Ich wollte nicht, dass es kommt, ich wollte sogar einmal nicht recht haben. Aber ich wusste, dass es kommt, denn es war bisher immer so. Daher mein Zögern, die Morgenzeitung überhaupt aufzuschlagen. Ich tat es trotzdem, und da stand es, natürlich.

Der Plasberg von gestern Abend war noch einen Tacken schneller, aber für ein Printmedium verlor die Süddeutsche Zeitung wahrlich keine Zeit. Schon heute früh, am Morgen nach dem blutigen Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo mit zwölf Toten und vier Schwerverletzten, verhöhnte die SZ die Opfer des Gemetzels mit dem prominent hervorgehobenen Lehrsatz: „Islamismus entsteht auch durch Islamophobie.“

Ich sage jetzt nichts mehr dazu. Warum können nicht alle erst einmal den Mund halten? Einfach so. Mund halten.

Ferme-la!

charlie

Ich schau dir in die Seele, Kleines!

Pegida redet nicht mit der Journaille. Das mag nicht klug und auf Dauer auch nicht durchzuhalten sein, aber statt sich zu fragen, woher dieser Vertrauensverlust rührt, reagiert die Presse allgemein beleidigt, spricht zitierfähiges Nazimaterial notfalls höchstpersönlich ins Panorama-Mikro wie jener zu Berühmtheit gelangte RTL-Reporter und sucht sich beinahe auf jede erdenkliche Weise an dem unbotmäßigen Volk, dem großen Lümmel, zu rächen.

Dass dabei nicht nur die Exponenten einer Protestbewegung vorgeführt werden, sondern immer wieder auch Privatleute, gehört zum Programm. Wie ließe sich besser demonstrieren, wer auf der einen Seite die Meinungshoheit innehat — und wer ihr (auf der anderen Seite) nicht entrinnen kann. Niemand.

Selbst wenn man rein gar nichts hat, das man journalistisch sauber präsentieren könnte, egal, dann macht man es eben wie die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe. Unter dem Titel „Pegida ist erotisch: Kleiner Versuch über das Lachen einer jungen Frau“ erschien jetzt ein Stück, das man gelesen haben muss, um es zu glauben.

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Mach den Pegida-Pogo

Allmählich kommt die Propaganda-Maschine auf Touren, und alle machen den Pegida-Pogo. Worauf sich selbständig denkende Menschen jetzt einstellen müssen, erklärt Markus Werner auf der Achse in einem kleinen Lexikon über den Umgang mit abweichenden Meinungen — von B wie Beschimpfung bis P wie Pathologisierung.

Es geht allerdings noch einfacher. Wie gestern Abend in der Münchner Runde, da hatte man sicherheitshalber erst gar keine zweite Meinung ins Studio gebeten. Es war gewissermaßen noch billiger als sonst, wenn ein Lucke gegen vier bis sechs Menschheitsretter antreten muss, die sich geschworen haben, den Leibhaftigen zu demaskieren.

Nein, hier blieb man gleich ganz unter sich und ihresgleichen, die stellvertretende Landesbischöfin und die grüne Betroffenheitströte mit den roten ungepflegten Haaren, nebst ein paar anderen, auf die es aber nicht ankommt, da sie eh alle dasselbe sagten, siehe obiges Lexikon. Doch gemeinsam umgluckten sie den einzigen Fremdling auf dem Set, einen afghanischen Bäckerlehrling, der so nett hergerichtet war und so treudoof in die Landschaft guckte, als hätte man ihn aus dem Fundus der Lindenstraße geklaut. Klar, es ist ja sooo wichtig, mit den Betroffenen zu reden statt nur über sie. Vor allem dann, wenn sie aussehen wie der ideale Schwiegersohn und nicht wie Kickbox-Ali oder ein Drogennigga aus dem Görlitzer Park — oder eben wie einer von der Pegida-Plebejern, denn mit solchen Gestalten kommt keine rechte Stimmung auf.

Also rechte Stimmung vielleicht schon, aber mir Sicherheit nicht dir richtige rechte, die original Refugee-Stimmung.

Kurz und gut, eine Sternstunde des Erziehungsfernsehens. In Bavaria we don’t climb on trees, in Bavaria wir machen den Pogo und den Zuschauer zum Affen.

Was ist denn hier passiert?

Beim Barte des Proleten! Ein dauerbeleidigter Moslem mit deutschem Pass und Gebetsteppich im Gesicht geht zum Lachen in den Dschihad und verklagt ausgerechnet den heiteren Raisonneur des deutschen Kabaretts, Dieter Nuhr, als „Hassprediger“. Nichts Besonderes, könnte man meinen, hatten wir alles schon und sind allmählich daran gewöhnt, jedoch … selbst der Taz reicht es jetzt.

Und offenbar nicht nur der Taz. Wer noch mehr kulturunsensible, menschenverachtende, antimuslimisch-rassistische Witze lesen und/oder verbreiten will, kann das hier tun.

Klar bin ich islamophob

Heute stand es schon wieder in der SZ: Wenn sich moslemische Fusselfressen in den Heiligen Krieg aufmachen, um Ungläubigen die Kehle durchzuschneiden, dann tun sie das, weil sie sich „ausgegrenzt“ oder „nicht angenommen“ oder „nicht zugehörig“ fühlen. Das ewige Mantra.

Dabei haben wir doch alles getan. Deeskalation, Sitzkreis, ganz viel Zuhören und so. Frau Käßmann wollte mit Taliban beten. Und Frau Fahimi von SPD fand gar, die Bezeichnung „radikal-islamisch“ könne hier lebende Moslems beleidigen, und dann fühlten diese sich abermals ganz derbe ausgegrenzt und müssten erst recht Ungläubige umbringen und wir, logisch, wir wären schuld.

Also erst einmal: Wenn ich Taliban wäre oder ein gestandener IS-Schlächter … „Klar bin ich islamophob“ weiterlesen